Kjell Marc Droz

KJELLBUSY!

WEB & DESIGN

Von 1991 bis 2001 studierte Kjell an der ETH Zürich Informatik und Architektur.

2001 gründete er die Webdesign-Agentur KMD-Design.

Dienstleistungen und Referenzen findest du auf seiner Geschäfts-Homepage:

 

Wenn ich im Berufsalltag aus dem Fenster schaue, werfen Architektur und Internet einige Fragen auf:

Die Ausnützungsziffer

Schau dir an, was in der Schweiz in den letzen Jahren gebaut wurde. Schuhschachteln, Schuhschachteln und nochmal Schuhschachteln. Die meisten Gebäude sind nichts weiter als das lokale Baugesetz in 3D: Maximale Breite, maximale Höhe und die billligste Fassade, die gerade noch die Energievorschriften erfüllt. Für Immobilieninvestoren zählt nur die Renditemaximierung. Maximale Wohn- oder Bürofläche pro Grundfläche.

Wozu auch Architektur, wenn 95% der künftigen Mieter sowieso keinen Sinn für Design haben?

In der Politik reden alle von Verdichtung. Gleichzeitig legen die Behörden fast überall Maximalhöhen fest, so dass immer weiter in die Breite gebaut wird. New York erfand schon vor 100 Jahren eine Lösung, mit der hohe Gebäude und städtische Verdichtung möglich wurden, ohne die Lebensqualität zu schmälern. Zürich hingegen weigert sich standhaft gegen Fortschritt, weil die Zürcher im Herzen keine richtigen Stadtmenschen sind.

Holy Usability

Renditeoptimierung im Webdesign heisst "Usability".

Vor 15 Jahren war das Internet noch eine Entdeckungsreise. Websurfer waren Abenteurer, die etwas erleben wollten. Damals gab es viel zu erleben. Es gab grauenhafte Webseiten, wo ausser dem "please wait - loading" nichts funktionierte, und es gab fantastische Seiten, wo, wenn man lang genug suchte, immer noch ein Türchen aufging und ein weiterer Link zum Vorschein kam.

Dann kamen die Marketingstrategen ins Spiel. Sie erkannten, dass man mit den dümmsten Kunden die besten Geschäfte macht. Doch damit auch im Internet die Dümmsten den Weg zur Kasse finden, muss alles auf einfachste Verständlichkeit optimiert werden. Seither sieht jede verkaufsorientierte Webseite gleich aus: Menü links oder oben und jeder klickbare Button rechteckig mit leicht abgerundeten Ecken und hinterlegtem Schatten. - Kein Witz: lässt man Schatten und runden Ecken weg, verliert man 5% Kundschaft, die nicht weiss, wo sie klicken soll.

Aus Sicht der Informationsbeschaffung: Toll. - Aus Sicht des Künstlers: Katastrophe.

Usability ist wichtig. Unnötig komplizierte Webseiten nerven. Als Webdesigner sehe ich mich aber auch als Designer mit dem künstlerischen Anspruch, dass nicht nur Effizienz sondern auch Emotionalität eine Qualität für unser Leben hat.

Der verdammte rechte Winkel

Er ist die Krönung der Effizienz: der 90°-Winkel, dank dem sich auf engstem Raum Kisten stapeln, Menschen in Häuser pferchen und Tabellen auf Bildschirmen darstellen lassen.

Als Architekturstudent an der ETH Zürich wusste ich: Machst du alle Wände weiss, rechtwinklig und ein Flachdach, dann hast du den 5er auf sicher. Mir war das zu billig.

Die Natur kennt keinen rechten Winkel. Weil unser Schöpfer offenbar mehr drauf hatte oder sich nicht mit dem Banalsten zufrieden gab.

Ein schiefwinkliges Design das funktioniert, das ist die wahre Kunst der Architektur!

Illusion Datenschutz

Jeder Schritt den wir im Internet tun, wird aufgezeichnet und ausgewertet. Jede Suchanfrage bei Google, jede App-Benutzung am Handy, jedes SMS, jeder Musik-Download, jeder TV-Stream. Wir können noch so dagegen wettern. Die NSA und Google wissen alles. Eine Studie hat bewiesen, dass sich aus Einkaufsdaten (wie M-Cumulus oder Coop-Supercard) Schwangerschaften und Geburtstermine ziemlich exakt ermitteln lassen. Google bracht keinen Gentest, um zu wissen, wer auf dieser Welt schwul ist. Man kann noch so ein verklemmtes Leben führen - irgendwann kommt alles raus. Es muss nur jemand ein genügend grosses Interesse haben, in Big Data nach deinen Geheimnissen zu wühlen.

Heute lehrt man in der Schule extreme Zurückhaltung: Das Internet vergisst nie, und falls jemals Nacktfotos von dir im Internet auftauchen, wirst du nie mehr im Leben einen Job finden. Was haben wir davon? Teenies, die ihre Kameraden beim Sex filmen und erpressen, bis sich jemand aus Angst vor dem versauten Leben in den Tod stürzt.

Wenn wir schon nicht verhindern können, dass unser Privatleben publik wird, sollten wir dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft möglichst viele persönliche Freiheiten erlaubt.

Statt übervorsichtig und erpressbar zu sein, bin ich lieber ehrlich: Ich gebe offen zu, ein Sexualleben zu haben. So what? Ein rechtskonservativer Politiker wollte ich eh nie werden.

SPAMSPAMSPAMSPAMSPAMSPAMSPAMSPAM

Die Idee des WWW war, Informationen über Hyperlinks mit weiterführenden Informationen zu verknüpfen. Grundprinzip: Wer sucht, der findet.

Die kommerzielle Nutzung hat die Idee pervertiert. Es geht nicht mehr um die Bereitstellung von Wissen sondern um die Aufenthaltsdauer der Seitenbesucher. Statt nützliche Information zu verlinken, dupliziert man sie. Grundprinzip: Wer sucht, soll lange bleiben.

Die Korrektheit der Information ist Nebensache. Oder sogar kontraproduktiv. Hat der Besucher gefunden, was er suchte, klappt er das Notebook zu. Lässt man ihn unbefriedigt, klickt er vielleicht auf eine Werbung. Grundprinzip: Je schlechter die Page, umso besser laufen die Banner.

Weil der Verkäufer nicht warten will, bis die Kunden von sich aus in den Laden kommen, schickt er ihnen Werbung. Anfangs klappts. Dann wirkts nicht mehr. Er sendet mehr Werbung, und noch mehr und noch mehr. Die Konkurrenz machts genauso. Doch weil die Aufnahmefähigkeit der Kunden limitiert ist, muss man immer mehr nachlegen.

Merkt jemand die Parallele zu Drogen? Das Heroin des Internets nennt man SPAM. Die Dealer nennt man Online-Händler. Die Mafia nennt sich Kommunikationsagentur. Wann der Junkie (genannt Kunde) unter der Last der Drogen (genannt Kundeninformation) zusammenbricht, ist die grosse Frage. Bis dahin lautet die einhellige Empfehlung: Erhöhen der Dosis und Erschliessung neuer Substanzen (Marketingkanäle).

Das Internet bekämpft seine wachsende Ineffizienz nicht an der Wurzel sondern nur die Symptome mit schnellerer Hardware. Big business rules. Unser Planet produziert immer mehr Reibungswärme. Aber nun sind wir nicht mehr bei Informatik sondern bei POLITIK.